Samstag, 2. August 2008

Start me up

Sicherlich erinnern sich noch einige an die Markteinführung eines bekannten Betriebssystems einer Firma aus Redmont, so Mitte der Neunziger Jahre. Die Marketingkampagne dafür bediente sich eines Musikstücks der Stones, dessen Titel zum Produkt passte, wie die Faust auf's Auge.

Als sei es ein subversiver Gag der Marketingabteilung gewesen, wurde "Start-me-up" an vielen Computern weltweit zur Realität, wann immer es einen Treiber zu installieren galt oder wann auch immer man vom legendären BSOD ereilt wurde. Doch ich schweife ab...

Dies soll keine Werbekampagne für den Hersteller dieses Systems werden und eigentlich auch keine Aufruf zu neuen Flame-Wars sein. Vielmehr soll es hier um ein Ding aus einer dieser Softwareschmiede eher diametral entgegengesetzten Richtung gehen -- und zwar um OpenMoko.

Klingt irgendwie japanisch
Der FreeRunner (GTA02)
OpenMoko ist eine "Softwareplattform und die erste komplett freie Softwaresammlung für Mobiltelefone", so frei übersetzt aus dem OpenMoko Wiki. Weil eine Softwareplattform alleine natürlich schön, aber ohne unterstützende Geräte zu nichts zu gebrauchen ist, stellt FIC "Mobiltelefone" her, die mit dieser Software ausgestattet sind. Bis jetzt hat FIC zwei Versionen dieser Hardware auf den Markt gebracht, den "Neo 1973" (GTA01) und im Juni 2008 den "Neo FreeRunner" (GTA02).

Böse Zungen könnten behaupten, FIC werde schon gewusst haben, warum die erste Ausgabe der Hardware Neo1973 genannt wurde. Tatsächlich ist das Design des Geräts nicht jedermanns Sache, auch wenn solch ein Ding im Jahre 1973 sicherlich sehr futuristisch gewesen wäre. Nachdem ich einige Bilder einer der frühen Versionen des GTA01 gesehen habe, das Gerät weiß und mit orangener Umrahmung, muss ich zugeben, dass es auch weit schlimmer hätte kommen können, denn der FreeRunner ist einfach nur schwarz/grau.

Warum man Most aus Applen machen kann

Ja, der FreeRunner ist ein "überteuertes Lifestyleprodukt". Fragt sich nur, welchen Lifestyle man denn pflegt. Wer den FreeRunner erwerben möchte, dem sollte man ehrlich sagen, dass dieses Gerät nichts ist, auf das man sich im Alltag als Telefon verlassen möchte. Hier erklärt sich wohl der Name des Telefons. FreeRunner im Sinne von "Ja er läuft" und Neo im Sinne von "wenn man ein kleiner Hacker ist".

FreeRunner

Er läuft, heißt, man kann ihn Einschalten, jedoch gilt für ihn im wesentlichen das, was für Win95 auch gegolten hat. Start-me-up! Abgesehen davon, dass die vorinstallierte Bedienungsoberfläche mitunter quälend langsam die GTK-Widgets auf dem Bildschirm zur Darstellung bringt, kann man ihn sogar benutzen. Doch fröhlich wird man dadurch mit dem Gerät nicht...

Herr Doktor, Mein Mobiltelefon geht nicht

Zunächst dauert es ewig, bis das "Mobiltelefon" an ist. Danach gibt's ein Hintergrundbild, das man nicht ändern kann, genausowenig wie den Klingelton. Ein enervierendes klicken, das man nicht abstellen kann begleitet jegliche Aktion auf dem Touchscreen. Unmodifiziert gibt es wenige Applikationen, den Dialer, mit dem man "old-school" Telefonnummern anwählen kann, der aber mit der Kontaktliste zusammenarbeitet. Das Anlegen und verwalten von Kontaktgruppen ist noch etwas hakelig, aber Kontakte einspeichern ist trotzdem noch besser, als die Nummern wie Neo alle im Kopf zu behalten.
Ein rudimentärer Kalender "rundet die Sache dann noch ab". Naja, er stürzt mehr ab, wenn man falsch klickt - oder würde man besser sagen, er beendet sich? So ganz ist das nicht festzustellen.
Soweit dazu, was man bekommt, wenn man die Erwartungshaltung hat, dass man einen PDA wie alle anderen Erworben hat.

Etwas völlig Nutzloses ist auch noch dabei, nämlich ein Terminal. Nicht, dass virtuelle Konsolen und shells wie command.com ;-) nicht zu etwas gut wären. Aber selbst wenn man damit umgehen könnte, bedien' sie mal mit einer Handytastatur. Wo war jetzt gleich nochmal die spitze Klammer und wie drücke ich jetzt Strg-C?

Folge dem weißen Kaninchen

Wenn man kein Hacker ist, wird man ihn sicherlich nach drei Minuten verzweifelten 'Rumklickens erbost gegen die Wand werfen, wenn er nicht so teuer wäre. Hacker allerdings scheinen aus dem unfertigen instabilen alten Schalt-mich-aus-und-schalt-mich-ein-Spiel masochistische Freuden ziehen zu können.

Linux in a pocket

Wer gerne an Systemen bastelt oder schon immer von einer Linuxbox für die Hosentasche geträumt hat, wird nicht enttäuscht werden.
Gute Sicht und ein wenig Feinmotorik sollte man schon haben, solide Linuxkenntnisse sind mehr oder weniger unabdingbar, denn im Moment gibt es quasi kein Vorbeikommen an der Kommandozeile und die Buchstaben (v.a. im Textmodus) können schon ganz schön klein sein, wenn z.B. man die umfangreichen Textausgaben von iwlist genießen möchte.

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